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Slobodan Mihajlović: „Ich bin ein Nomade zwischen Ost und West“
Der junge serbische Modedesigner Slobodan Mihajlović ist der Gewinner des „Kontakt. Fashion Award 2007“.
„Ich hatte bisher viel Glück in meinem Leben“, meint der in Serbien lebende Modedesigner Slobodan Mihajlović, „aber viele meiner Kolleginnen nicht. Sie sind international durch das Wirtschaftsembargo gegen Serbien leider immer noch sehr isoliert.“ Der Modemacher, 1975 geboren, ist kein Unbekannter mehr, kann er doch bereits internationale Erfolge verbuchen: An zahlreichen Projekten im In- und Ausland, vor allem in Italien und Belgien nahm er bisher teil und arbeitete bereits für Star-Labels wie Mina Poe und Roberto Cavalli. Für seine eigene Kollektion „slobodan *+*“ (ausgesprochen: „Star-plus-star“) wurde ihm Ende Juni 2007 der „Kontakt. Fashion Award by Erste Bank“ im Rahmen des Wiener Modefestivals „7 festival for fashion and photography“ verliehen. Der „Kontakt. Fashion Award“ soll Designern aus dem zentral- und osteuropäischen Raum zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen.
Bezieht sich Mihajlović dezidiert auf seine osteuropäischen Wurzeln? „Osteuropäische Kunst ist oft widersprüchlich“, findet der Designer, „zum einen ist sie schmerzhaft und schwer, gleichzeitig einzigartig schön, leicht und humorvoll. Diese Doppelgesichtigkeit liegt in der Kultur des Balkans verborgen, in unserem Temperament und unserer ambivalenten Geschichte“, so der Modeschöpfer. „Ich selbst bin ein Nomade zwischen Ost und West. Ich lebe abwechselnd in Serbien, Belgien und Italien. In meiner Arbeit versuche ich das Beste aus beiden Welten – Ost und West – zu vereinen.“
Geboren wurde Slobodan Mihajlović in Gradačac, einer kleinen Stadt im Norden Bosnien-Herzegowinas. Bereits als Kind kritzelte er die ersten Modeentwürfe in sein Schulheft und war von der traditionellen Handarbeitskunst seiner Heimat fasziniert „Meine Mutter konnte meisterlich handarbeiten. Ich wusste schon sehr früh, dass ich Modedesigner werden wollte, und sie hat mich dabei stets unterstützt. Mein Vater war hingegen lange der Meinung, ich sollte besser einen ‚vernünftigen Beruf’ ausüben und Rechtsanwalt werden.“
Anfang der neunziger Jahre begann Mihajlović in Belgrad am „Yugoslavia Fashion College“ zu studieren: „Die osteuropäische Modeszene war zu jener Zeit von der Außenwelt komplett abgeschnitten. Es gab kaum Informationen aus dem Westen.“ Die Isolation engte die jungen Künstler damals zwar ein, gleichzeitig erweckte sie bei vielen eine große Neugier nach dem Umgang mit den heimischen Ressourcen und so entstanden außergewöhnlich originäre Ideen mit „sehr persönlichem Touch“, wie Mihajlović findet. „Aber die Politik kann das größte Engagement ruinieren. Serbische Mode gibt es nach wie vor fast ausschließlich auf dem heimischen Markt zu kaufen. Man muss noch immer stundenlang vor den Ämtern anstehen, um ein Visum zu bekommen. Meine Schwester bekam nicht einmal ein Visum für meine Verleihung des ‚Kontakt. Fashion Award’ in Wien. Ich verstehe nicht, warum ein ganzes Volk leiden muss, nur weil zwei Kriegsverbrecher untergetaucht sind“, zeigt sich Mihajlović enttäuscht.
Nach seiner Zeit in Belgrad vollendete der junge Designer sein Studium an der „Royal Academy of Fine Arts“ in Antwerpen. Später entwarf er Accessoires und Strickwaren für das Pariser Haute-Couture-Label „Mina Poe“ und arbeitete für den italienischen Modeschöpfer Roberto Cavalli.
2006 begann Mihajlović an seiner eigenen Kollektion zu feilen – in Zusammenarbeit mit Eo Bocci, einem italienischen Fashion-Scout und Finanzier, der schon Karrieren von Designern wie Jean Paul Gaultier und Ann Demeulemeester unterstützte. Der Einsatz scheint sich bezahlt zu machen: „slobodan *+*“ wurde für seine aktuelle Kollektion, in der sich der Designer der griechischen Antike gewidmet hat, sowohl mit dem „Kontakt. Fashion Award 2007“ ausgezeichnet als auch zum Gewinner der „Belgrader Fashion Week“ für die Frühling/Sommer-Kollektion 2007 gekürt.
Für die kommende Saison vertieft sich Mihajlović übrigens ins Studium der klassischen Renaissance: Besonders Beato Angelico, ein Künstler der florentinischen Renaissance, hat es dem Designer angetan, aber auch ein Vertreter zeitgenössischer Pop-Kultur: Der britische Pop-Barde Morrissey dient dem Designer als Inspiration für die Männerkollektion 2008. Dessen Werk und Charisma besitzen für Mihajlović eine fast ebenso zeitlose Qualität wie das seiner „florentinischen Muse“.
Kontakt. Fashion Award by Erste Bank: http://www.kontakt.erstebankgroup.net/projects/overview/at_kontakt_fashion_award/de
Die Autorin Susanne Firzinger schreibt unter anderem für die Zeitschrift „skug“ und das „Planet Music“-Magazin.
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