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Maja Lorbek - privat „Auf der sonnigen Seite der Alpen“

Maja Lorbek ist Architektin und arbeitet an Forschungsprojekten mit Schwerpunkt Schulbau und innovative Sanierung. Seit 1982 lebt sie in Wien. Ganz zu Hause fühlt sie sich weder in ihrer alten noch in der neuen Heimat: „Ich leide zuweilen an gewissen Aspekten der österreichischen Mentalität wie der Eigenart, Kritik nicht offen und sachlich auszusprechen.“

„Meine Sicht auf Slowenien ist mittlerweile eher eine Sicht von außen. Ich stelle fest, dass die Stimmung im Land weitaus weniger depressiv als in Österreich ist, wenngleich es viele Modernisierungsverlierer gibt. Das Lohnniveau ist moderat, die Preise für Lebensmittel fast auf dem österreichischen Niveau. Bis auf die sehr engagierte politische Subkultur gibt es auch kaum kritische Stimmen zu Konsumkultur, Kapitalismus, dem unwürdigen Umgang mit den „Gelöschten“ und Flüchtlingen oder mit dem NATO-Beitritt.
Slowenien sieht sich als Teil von Mitteleuropa, die Abgrenzung vom Balkan ist stark. Einer der bekannten Werbeslogans für das Land lautete „Auf der sonnigen Seite der Alpen“. In der Popkultur kann jedoch heute sehr wohl eine gewisse „Jugo-Nostalgie“ beobachtet werden. Bestimmte Pop- und Rockgruppen aus den Staaten des ehemaligen Jugoslawien füllen Konzerthallen.
Die EU-Skepsis ist trotzdem weitaus geringer als in Österreich. Einerseits hat die Europäische Union Slowenien auf dem Weg in die Unabhängigkeit unterstützt. Außerdem ist das Land aufgrund der „jugoslawischen Erfahrung“ von 1918 bis 1991 gewohnt, in einen Staatenbund eingegliedert zu sein. Die Verschiebung der Schengen-Grenzen im Dezember 2007 wurde freudig und keinesfalls ängstlich begrüßt.
Das slowenische Lebensgefühl ist etwas mehr vom „Laissez-faire“-Stil geprägt. Die Menschen sind eindeutig lebenslustiger, weniger grantig und verbissen. Man trifft sehr hilfsbereite Beamte und Zugschaffner, die sich nicht unbedingt an „Vorschrift ist Vorschrift“ halten. Im Hinterland von Triest, im Land von Kommissar Proteo Laurenti, inmitten der Karstlandschaft und wo alle Schilder zweisprachig waren – da fühlte ich mich sehr zu Hause.
Erfreulich ist, dass es eine starke subkulturelle Szene gibt, die sich selbstbewusst Räume aneignet und besetzt, zum Beispiel „Metelkova“, eine ehemalige Kaserne, und „ROG“, ein Fabrikgelände in Zentrum von Ljubljana. Eine ganz starke Rolle spielen die jungen Architektengruppen, die auch in Österreich sehr positiv auffallen. Die modernistische Tradition der Architektur, gefärbt mit Regionalismus, war typisch für die Nachkriegsepoche in Slowenien.
Die junge Generation der slowenischen Architekturschaffenden, Gruppen wie Sadar Vuga, Bevk-Perović und Ofis, bauen auf dieser Tradition auf. Vieles ist möglich, weil die Regulative und gesetzlichen Restriktionen nicht so stark sind. Die oft veröffentlichten Bilder der orangen Balkone eines Wohnbaus in Izola von den Architekten Ofis, ganz ohne thermische Trennung gebaut und mit Wärmebrücke – so etwas würde die Baupolizei in Österreich nicht erlauben.“