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Sammeln als politische Aufgabe
Kontakt - Die Kunstsammlung der Erste Bank - Gruppe hat sich neu formiert und wird von einer international besetzten Jury betreut. Seit 2004 wird verstärkt Kunst aus Ost - und Südosteuropa angekauft, Werke der sechziger und siebziger Jahre und vor allem auch Zeitgenössisches.
Die Erste Bank - Gruppe verfügt in den Ländern ihrer Geschäftstätigkeit über unterschiedlich ausgerichtete und historisch verschieden gewachsene Kunstsammlungen. Eine Neustrukturierung und - konzeptionierung der Sammlungstätigkeiten schien daher sinnvoll: In einem ersten Schritt wurde der bisherige Bestand umfassend evaluiert, daraufhin wurden Kunstwerke ausgewählt und der neuen Sammlungspolitik folgend positioniert. Diese legt ihren geografischen Fokus auf die Region, in der die Erste Bank - Gruppe tätig ist. Ziel der neuen Sammlung ist, die Besonderheiten unterschiedlicher Kunstpraktiken aus Zentral -, Süd - und Osteuropa zu betonen und diese im Rahmen der internationalen Kunstströmungen zu präsentieren. Die Sammlung möchte ihren Fokus dabei weniger auf geografisch definierte Räume legen als auf die Topografie und Vermessung künstlerischer Austauschprozesse.
Ein von der Erste Bank - Gruppe gegründeter Verein kauft die Werke an. Die Sammlung trägt den Namen „Kontakt" in Anlehnung an das Sponsoringprogramm „Kontakt - Das Programm für Kunst und Zivilgesellschaft der Erste Bank - Gruppe in Zentraleuropa“. Der Titel stellt zudem eine Referenz zu dem slowakischen Künstler Július Koller (geboren 1939) dar, der seine viel beachteten Performances in den sechziger Jahren so benannte. Auch das Logo der Sammlung trägt aus diesem Grund die Handschrift des Künstlers.
Die Ankäufe und das neue Sammlungskonzept erfolgen aufgrund von Entscheidungen einer von der Bankengruppe unabhängigen Jury, die nach kunsthistorisch relevanten und marktorientierten Kriterien handelt. Für die ersten drei Jahre konnten Silvia Eiblmayr (Leiterin der Galerie im Taxispalais, Innsbruck), Georg Schöllhammer (Herausgeber von „springerin - Hefte für Gegenwartskunst“, Wien), Jiří Ševčík (Leiter des Forschungszentrums und Archivs für tschechische Kunst, Prag), Branka Stipancić (Kuratorin, Zagreb) und Adam Szymczyk (Direktor der Kunsthalle Basel) gewonnen werden, um regelmäßig Kunst anzukaufen und „Kontakt - Die Kunstsammlung der Erste Bank - Gruppe “ entsprechend zu präsentieren und nach außen fachkompetent zu kommunizieren. Kontinuierlich aufgearbeitet, betreut und kuratiert wird die Sammlung von Walter Seidl (Kurator, Wien). Die Kunstgeschichte Europas - und vor allem die seines Ostens bzw. Südostens - besteht aus zahlreichen Teilgeschichten, die sich nur schwer einer einheitlichen Systematisierung unterziehen lassen. Als einen kunsthistorischen Meilenstein kann man jedoch die Entstehung internationaler Avantgarden in den sechziger Jahren erkennen. Ihre konzeptuellen und aktionistischen Tendenzen entwickelten sich international - in Ost wie in West - ähnlich und zeitgleich.
Der inhaltliche Ausgangspunkt der Sammlung bezieht sich somit auf die konzeptuellen Tendenzen und wichtigen künstlerischen Strömungen der sechziger und siebziger Jahre. Diese sollen in Beziehung zur Gegenwartskunst bzw. zu Arbeiten der jüngeren Kunstgeschichte gestellt werden. Neben dem Ziel, den Kanon der jüngsten europäischen Kunstgeschichte adäquat zu repräsentieren, versucht die Sammlung auch erratische, aber referentielle Arbeiten mit einzubeziehen, die eine kontinuierliche und öffentlich oftmals verborgen gebliebene Kunstproduktion bezeugen. Neben ihrer kontinuierlichen Ankaufstätigkeit will die Sammlung auch eine flexible Arbeitsplattform bieten, etwa durch die Förderung einzelner, vom Beirat ausgewählter Projekte.
Die Sammlung wird keinen institutionell oder lokal verankerten Ausstellungsraum erhalten, sondern in Form von kuratierten Projekten in Zusammenarbeit mit musealen Institutionen und Ausstellungszentren in Zentraleuropa öffentlich sichtbar sein. Unter anderem will die Sammlung in den Ländern, aus denen die Kunstwerke stammen, mithelfen, die Kunstwerke in einem erweiterten Kontext zu zeigen. Die erste österreichische Präsentation erfolgt im Frühjahr 2006 im MUMOK, Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, in Wien.
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