Stadtarbeit und Erste Bank MehrWERT-Designpreis 2015

Mit dem Erste Bank MehrWERT-Designpreis 2015 wurde das engagierte Projekt "Infrequently Asked Questions" von Ebru Kurbak ausgezeichnet.

Eine weitere Auszeichnung wurde für das Projekt "Woher kommen die Ziegel?" der Studierenden Pia Plankensteiner, Sebastian Scholz, Jürgen Steineder verliehen.

Infrequently Asked Questions
Ebru Kurbak
Was als wertvolle Qualität, als Fähigkeit, Neigung oder Wissen aufgefasst wird, ist stets durch soziale Faktoren beeinflusst und hängt davon ab, wo diese Einschätzung getroffen wird. Um zu überleben und um sich in seiner Lebensumgebung in sozialer und kultureller Hinsicht anzupassen, muss sich der Mensch diverse Fähigkeiten aneignen. Wenn eine Person jedoch emigriert, werden einige dieser Skills obsolet: Unabhängig davon, wie gut jemand formal ausgebildet ist, muss er oder sie sich zwangsläufig neues Wissen aneignen. „Infrequently Asked Questions“ öffnet dieses Thema einer öffentlichen Diskussion, indem es eine Umkehr von Rollenkonventionen zur Schau stellt. In einer Intervention, die gemeinsam mit Teilnehmern des Caritas-Programms „Lernsprung“ durchgeführt wird, treffen unbeachtete Fähigkeiten und mitgebrachtes Wissen auf eine lokale Öffentlichkeit.

Als Gewinner des Erste Bank MehrWERT-Designpreises 2015 setzte sich das Social Design-Projekt INFREQUENTLY ASKED QUESTIONS (iFAQs) in einer Ausstellung vom 30. September bis 16. Oktober 2016 im Volkskundemuseum und einem begleitenden Katalog fort. Die Ausstellung versuchte gemeinhin tradierte Rollenbilder zu verändern und das Thema der Integration durch präzises Fragestellen einer wechselseitigen Diskussion zu öffnen: Was kannst du gut? Die Ausstellung zeigte Talente und Fähigkeiten, die diese Frauen und Männer hierher mitgebracht haben. Der begleitende Katalog nähert sich dem Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln und lädt zum Weitertragen der Idee ein.

 

Woher kommen die Ziegel?
Steineder, Plankensteiner, Scholz
Kaum etwas erinnert noch an die Zeit, die Favoriten den Beinamen „Arbeiterbezirk“ verschaffte. Ehemalige Lehmgruben sind heute Badeteiche im Erholungsgebiet Wienerberg, historische Ziegelbauten unter Verputz versteckt und „Novak“ und „Vesely“ inzwischen typische Wiener Nachnamen. Dass sie das jedoch erst mit der Zeit wurden, haben die meisten vergessen. Deren Vorfahren kamen aus Mähren und Böhmen – auch, um hier Ziegel zu machen. „Woher kommen die Ziegel?“  beschäftigt sich mit der Identität des Bezirks.

 

Die weiteren Stadtarbeit-Projekte 2015

Welcome to The Living Room!
migrationlab, verein08, Alice Stori Liechtenstein
Ziel des Projektes ist es, urbane Räume und Wahrnehmung dieser zu verändern und die soziale Inklusion zu stärken. Das temporäre „Wohnzimmer“ ist ein konsumfreier Raum des Entdeckens und wurde mit der Gemeinschaft des 10. Bezirks gestaltet. Kreativ befasst sich das Projekt mit Migrationsthemen – um sich gegenseitig wieder zu entdecken, gemeinsam zu experimentieren, sich auszutauschen und Wege für ein friedvolles Miteinander zu finden.

Fotolabor Kreta
Kreta Kollektiv
Das Fotolabor Kreta ist eine Kombination aus Fotostudio und Stadtlabor. Die temporäre Einrichtung wird mit dem Ziel betrieben, ein Bildarchiv über den 10. Bezirk anzulegen. Hierfür werden unterschiedliche Bildquellen angezapft: Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner sind dazu eingeladen, eigene Fotos aufzunehmen. Parallel dazu betreibt das Kreta Kollektiv fotografische Feldforschung, indem es vorhandenes Bildmaterial wiederverwertet und neuen Kontexten zuführt: Interessierte können ihre Privatarchive durchforsten und Fotos vorbeibringen – die Fotografien werden digitalisiert, vervielfältigt und vor Ort ausgestellt.

New Local
REPLYtoALL und Microgiants
„New Local“ schafft eine lebendige Kommunikationsplattform durch gemeinsames Essen und Kochen. Es rückt die Geschichten jener Personen ins Zentrum, die in Wien eine neue Heimat finden. Im Sommer 2015 wurden die Lieblingsrezepte der Gruppe gekocht. In weiterer Folge organisierten die Teams von Microgiants und REPLYtoALL einen Workshop für Grafikdesignschaffende, in dem die gewonnenen Aufschlüsse und offen zugängliche Daten visualisiert wurden. Die Ergebnisse sind während der VIENNA DESIGN WEEK zu sehen. Das Publikum ist darüber hinaus eingeladen, an den vielfältigen Workshops in der Caritas Community Cooking-Küche teilzunehmen, zu kosten und mit den Köchinnen und Köchen in Kontakt zu treten. Das (Koch-)Buch zu „New Local“ ist vor Ort zu erwerben.