Kompositions-Preisträgerin 2018: Agata Zubel

Agata Zubel ist die Laureatin des Erste Bank Kompositionspreises 2018. 

Der Versuch, das Werk der 1978 in Wrocław, Polen, geborenen Komponistin auf einen kompakten Nenner zu bringen, würde das Objekt einer solchen Bemühung ipso facto verfehlen. Dem irisierenden musikalischen Schaffen der Musikerin – dazu später – kann man sich vielleicht eher mit einigen versuchsweise mehr nachgefragten als festgestellten Vermutungen nähern: Unbekümmert, aber nicht gleichgültig. Mit klarer Linie, aber vollkommen undogmatisch. Keineswegs charakterlos, aber ohne greifbaren Personalstil.

Letzteres, der Mangel an Personalstil, an unverwechselbarem musikalischen Ausdruck und (Privat)vokabular, an der klingenden Eigenmarke gilt ja gemeinhin eher als Odium, als Zeichen des Versagens vor der (äußerst fragwürdigen) ubiquitären Forderung nach Originalität, kurz: als Fehler und bestimmt nicht als Qualitätsausweis. Im Fall von Agata Zubel verhält sich die Sache anders. Ihre Haltung, jede neue Komposition als ein unbeschriebenes Blatt zu beginnen und komponierend jedes Mal nach Kräften von ganz vorne zu beginnen: fragend, suchend, forschend, staunend, überrascht und mit fast naiver Neugier auf das, was da kommen mag, ist eine bewusste Entscheidung gegen die Verfestigung und für das Leben in seiner Unberechenbarkeit.

Agata Zubel ist Musikerin, ursprünglich Schlagzeugerin und mit einem mehrere Jahrhunderte umfassenden Repertoire als Sopranistin aktiv, Komponistin mit starkem Hang zur Literatur und expliziter Lust zur Lebensfeier, die in vielen ihrer Werke hör- und spürbar wird.

Text: Sven Hartberger